Wie wirkt eine Therapie?

“In der psychotherapeutischen Arbeit gibt es unterschiedliche Herangehensweisen, die alle den Wunsch haben, ein seelisches Leiden zu lindern oder gar zu heilen.
Aber – was steckt eigentlich hinter einer Psychotherapie? Gern möchte ich Ihnen die Idee und die Wirkungsweise einer erlebnisorientierten Gesprächstherapie kurz vorstellen.

Was ist eine Gesprächstherapie?

Carl Rogers gilt als Begründer der personenzentrierten Gesprächstherapie und prägte mit seinem Menschenbild maßgeblich die Entwicklung der humanistischen Psychotherapie.

Die zentrale Annahme von Rogers besteht darin, dass in jedem von uns eine Lebenskraft vorhanden ist, die nach einem persönlichen Wachstum, einer inneren Harmonisierung und einer friedvollen Selbstverwirklichung strebt.

Die Gesprächstherapie nach Rogers bietet einen Raum, in dem sich unsere Lebenskraft in einem inneren Prozess entwickeln und entfalten kann.

Dieser innere Prozess kann uns zu einer spürbaren Erleichterung und zu persönlichen, individuellen Lösungsschritten führen.

Wann wirkt eine Gesprächstherapie?

Die personenzentrierte Gesprächstherapie erzielte seit ihren Anfängen in den 1950er Jahren beträchtliche Therapieerfolge und führte, bei einem nennenswerten Anteil ihrer Patienten, zu einer deutlichen Erleichterung bis hin zur kompletten Genesung.

Allerdings gab es eine ebenfalls bemerkenswerte Anzahl von Klienten, die keine Besserung ihrer Symptomatik durch die Therapie erfuhren.

Anfang der 1960er begann Carl Rogers gemeinsam mit Prof. Eugene Gendlin an der University of Chicago mit der Erforschung dieser auffällig unterschiedlichen Therapieverläufe und stellte sich Fragen nach möglichen Ursachen :

‘Warum machten ein Teil der Patienten große Fortschritte in der Therapie, während sich bei den übrigen Patienten keinerlei oder kaum Veränderungen zeigten?’

Die Entwicklung zur erlebnisorientierten Gesprächstherapie

Unter der Leitung von Prof. Gendlin stellte sich bei der Auswertung von mehreren  tausend aufgezeichneten Gesprächstherapien heraus, dass es einen gravierenden Unterschied zwischen den ‘erfolgreichen’ und den ‘erfolglosen’ Patienten gab:

Beide Patientengruppen schilderten in ihren Therapiesitzungen ihre Probleme und drückten dabei ihre Gefühle aus, die sie mit der jeweiligen Problematik verbanden.

Allerdings beachteten die ‘erfolgreichen’ Patienten im Verlauf der Sitzung ihre körperlich spürbaren Reaktionen, die sich während des Gespräches zeigten.

Sie begannen sich ganz bewusst, mit ihren gespürten Empfindungen auseinanderzusetzten und erlebten diese Interaktionen als außerordentlich hilfreich und entlastend.

Die Patienten waren auf einer körperlichen Ebene auf etwas in ihrem Inneren gestoßen, was sie zunächst nur schwer in Worte fassen konnten, was aber ganz offensichtlich in einem engen Zusammenhang mit ihren aktuellen Problemen stand.

Bei den ‘erfolglosen’ Therapieverläufen konnte in keinem der Fälle das Auftreten oder die Beachtung dieser körperlich gespürten Phänomäne festgestellt werden.

Focusing – die erlebnisorientierte Gesprächstherapie

Aus den Erkenntnissen seiner Forschungsarbeiten entwickelte Prof. Gendlin in den folgenden Jahren einen Therapieansatz, der auf Basis der personenzentrierten Gesprächstherapie, den Nutzen des körperlich gespürten Wissens in das Zentrum der Therapie rückte.

1978 veröffentlichte Prof. Gendlin seine Erkenntnisse zur erlebnisorientierten Gesprächstherapie dessen Kernprozess er  ‘Focusing’ nannte.

Im Focusing-Prozess wird ein bisher unbewusstes aber körperlich spürbares, tieferes Wissen freigesetzt, das ganz entscheidend zum Gelingen einer Therapie beiträgt.

Anwendungsbereiche des erlebnisorientierten Ansatzes

Das Anwendungsgebiet des erlebnisorientierten Ansatzes ist nicht auf die Anwendung in der Psychotherapie begrenzt.

In den Lebensbereichen, in denen es auf Intuition ankommt und eine gewisse Inspiration erforderlich ist, kann der Einsatz des erlebnisorientierten Focusing-Ansatzes sehr lohnenswert sein, wenn gleich der Focusing-Prozess sich nicht allein auf das Phänomen der Inspiration bzw. der Intuition reduzieren lässt.

Zu den Anwendungsbereichen zählen:

  • kreative, gestalterische und künstlerische Prozesse
  • aktives Krisen-Management
  • Ideenförderung in der Forschungsarbeit
  • zielorientierte Lösungs- und Entscheidungsfindungen

In der Psychotherapie kann der erlebnisorientierte Ansatz zur Lösung von tiefenpsychologischen Fragen und Problemen angewendet werden.

In der Auseinandersetztung mit den tiefen Schichten unseres Unbewussten kann es zu grundlegenden Veränderungen und Erkenntnissen kommen, die sich befreiend und heilend auf unser Leben auswirken.

 

Auf der Suche nach unserem Ich

Wer bin ich ? -Trotz der schier unerschöpflichen Vielfalt aller denkbaren Antworten auf diese simple Fragestellung, ist die Frage als solches fast schon zu einer bemitleidenswerten Phrase verkommen.

Eine Phrase, die Vielfach in der gesellschaftlichen Diskussion nur ein müdes Achselzucken hervorruft.

Vielleicht lautet die Frage in der Auseinandersetzung mit unserem Selbst eher:

Was bin ich?

Ich bin Körper.

Unstrittig ist, dass ich ein Körper bin.

Aber – fühle ich mich auch als Körper?

Im Alltag fällt mir mein Körper immer dann auf, wenn er nicht richtig funktioniert. Wenn mein Körper krank ist und er schmerzt.

Spüre ich dann, dass ich Körper bin?

Ich bin Körper und ich nehme meinen Körper als etwas, von mir, Getrenntes wahr.

Ich spreche über ihn. Ich sage: ‘Mein Körper hat dies – mein Körper hat jenes. Er ist müde. Er ist verspannt. Er hat eine Krankheit, die ich nicht verstehe.’

Ich spüre nicht, dass ich Körper bin. Ich spüre, dass ich etwas anderes bin.

Ich bin Geist.

Ich spüre, ich bin ein kleiner Teil, der irgendwo kurz hinter meinen Augen zu finden ist.

Genau hier ist meine Aufmerksamkeit zentriert und lässt mich alles, was nicht hier ist, als etwas anderes als mein ‘Ich’ erscheinen.

Hier oben, hinter dem Nasenbein und zwischen den Ohren bin ich zu Hause.

Hier verstehe ich die Welt. Hier sind meine Gedanken. Hier löse ich Probleme.

Hier wohnt der Geist, der ich bin.

Geist – das ist es, was ich bin.

Dann bin ich, von Zeit zu Zeit, auch noch Freude, Anspannung, Aufregung, Rührung, Liebe, Traurigkeit, Hoffnung und so vieles mehr, was da in mir ist.

Das alles spüre ich, tief in dem Körper, der ich bin.

Da ist etwas, das leise zu mir spricht.

Etwas, das ganz anders ist, als wenn ich, der Geist, denkt und spricht.

Manchmal ermahnt es mich zur Vorsicht. Es ermutigt mich, ein Wagnis einzugehen. Plötzlich weiß ich, dass das, was ich jetzt mache, ein Fehler ist. Jetzt spüre ich, was das Richtige ist.

Dann bin ich das, was in mir spricht.

Dann bin ich das, was eine empfindsame Seele für mich ist.

Ich bin Seele.

Dann bin ich Seele, die die Dinge etwas anders weiß, als der Geist, der ich bin.

Eine Seele, die ganz leise, spürbar im Körper mit mir, dem Geist, spricht.

Das ist es – was ich bin.

Ich bin Körper. Ich bin Geist. Ich bin Seele.

Welche Therapieform ist die Richtige?

Im Idealfall benötigen wir keine Therpie, da sich unser Körper-Geist-Seelen System in einem fortlaufenden Prozess aus eigener Kraft regeneriert.

Manchmal kann es allerdings zu einer größeren Schwächung unseres Systems kommen, die wir alleine nicht auffangen können.

In diesen Sitituationen ist es ratsam, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Therapie bei körperlichen Symptomen:

Am offensichlichsten ist es, wenn wir ein körperliches Problem haben.
Wenn wir uns verletzten, unser Zahn schmerzt oder wir sonstige Krankheitssymptome bemerken, ist es angezeigt, uns zur Therapie in ärztliche Hände zu begeben.

Therapie bei Themen, die unser geistiges, kognitives System betreffen:

Wenn wir bemerken, dass wir uns Verhaltensmuster angewöhnt haben, in denen wir uns z.B. ständig zwanghaft die Händewaschen müssen, wir Angst vor Höhe haben oder wir nicht in der Lage sind eine Rede vor einer Gruppe zu halten, dann kann eine Verhaltenstherapie die geeignete Therapiewahl sein.

In einer Verhaltenstherapie lernen wir, die problembesetzten Situationen neu zu bewerten und trainieren, uns in den belastenden Situationen anders als bisher zu verhalten.

Therapie bei Verletzungen unserer Seele:

In anderen Fällen ist es im Laufe unseres Lebens zu einer oder mehreren Verletzungen unserer Seele gekommen. Häufig hat unser Unbewusstes diese schmerzhaften Verletzungen einfach ausgeblendet, damit wir unser tägliches Leben weiter meistern können.

Die verletzten Bereiche wurden dabei reflexartig tief in unser Inneres verdrängt, ohne dass unsere seelischen Verletzungen die Möglichkeit hatten zu heilen.

Diese Verletztenanteile treten dann nach vielen Jahren meist ohne Vorwarnung hervor und wir können uns dabei nicht einmal erklären, woher dieser seelische Schmerz, die Angstgefühle, die innere Leere, die Traurigkeit oder die Hoffnungslosigkeit eigentlich kommt.

In diesen Situationen kann es heilsam sein, wenn wir uns in einer erlebnisorientierten Gesprächtherapie mit unserer schmerzenden Seele auseinander setzen.

Die Auseinandersetzung mit unseren tief verletzten seelischen Anteilen kann hier eine deutlich spürbare Entlastung bewirken und ein innerer Heilungsprozess kann beginnen.

Bei den folgenden seelischen Beschwerden bietet sich eine Gesprächstherapie an: >weiterlesen

 

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André Krause
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